Probleme anpacken
06.09.2017

Probleme anpacken

Tipps für Engagierte

Sie engagieren sich für Flüchtlinge?  Die Expertin , Ellen Zitzmann,  gibt Ihnen konkrete Anregungen für Ihre Herausforderungen vor Ort.
Bei dem Beitrag handelt es sich um einen Auszug aus dem Magazin des Österreichischen Integrationsfonds "Zusammen: Österreich", Ausgabe #02 Sommer 2017 (Text: Kristin Längle).

 

 



ELLEN M. ZITZMANN ist Sozialpädagogin und Kriminologin. Ein Schwerpunkt ihrer Arbeit ist Konfliktmanagement.
Sie hat diverse Fachbücher veröffentlicht und im Lehrwerk „Linie 1 Österreich – Deutsch in Alltag und Beruf“ von Ernst Klett Sprachen und ÖIF das Werte- und Orientierungswissen verfasst.

 

 



Die Frage an Ellen Zitzmann:

Kein Respekt vor Frauen – was tun?

Eine freiwillige Deutschtrainerin berichtet über Probleme mit zwei afghanischen Männern in ihrer derzeitigen Lerngruppe:

„Seit einem Monat leite ich eine Lerngruppe mit Flüchtlingen. Zwei Männer aus Afghanistan haben mir schon mehrmals signalisiert, dass ich als Frau für sie keine Respektsperson bin.
Ihr Verhalten färbt langsam auf andere in der Lernruppe ab, auch die Frauen. Ich möchte die beiden Männer nur ungern ausschließen, aber sie stören meinen Unterricht doch sehr.“

B. M., 49 Jahre
Freiwillige



TIPPS VON ELLEN M. ZITZMANN


1. Optionen abwägen

Es kommt immer wieder vor, dass weibliche Lehrkräfte im Unterricht mit Flüchtlingen aus patriarchal geprägten Gesellschaften mit männlichem Dominanz- und Machverhalten konfrontiert sind. Es gibt zwei Arten, darauf zu reagieren: Sie können direkt Konsequenzen ziehen, also die Männer vorübergehend oder ganz vom Kurs ausschließen – eine Einstellungsänderung werden Sie so aber nicht bewirken, sondern eher Frustration und Ärger aufbauen. Oder Sie entscheiden sich, das Problem aktiv anzugehen: indem Sie Ihren Standpunkt erklären und versuchen, Akzeptanz zu erreichen.


2. Sprechen Sie das Problem an

Benennen Sie das Problem in einem Vier-Augen-Gespräch außerhalb des Unterrichts. Reden Sie ruhig, aber bestimmt. Damit zeigen Sie Stärke und verhindern einen Gesichtsverlust. Schildern Sie den Männern auch die Auswirkungen ihres Verhaltens auf die Gruppe. Hören Sie dann zu, was die beiden zu sagen haben. Aufmerksamkeit ist wichtig und verschafft Ihnen mehr Achtung.


3. Klare Regeln

Erklären Sie sachlich, dass Frauen und Männer in Österreich gleichberechtigt sind und dies nicht verhandelbar ist. So ist es keine Option, dass die beiden Kursteilnehmer eine männliche Lehrkraft bekommen, nur weil sie eine Frau nicht akzeptieren. Sprechen Sie auch an, dass ein Ignorieren dieses Grundwerts Folgen haben kann: den Ausschluss von der Lerngruppe und damit Nachteile beim Deutschlernen und der Integration in Österreich. Bestimmt auf Regeln und Konsequenzen hinzuweisen, ist entscheidend. Gerade junge Männer sprechen meist gut darauf an.


4. Von Mann zu Mann

Bitten Sie einen männlichen Kollegen zum Gespräch dazu. Er kann aus Sicht eines Mann Beispiele bringen, wo Gleichberechtigung für ihn einen Gewinn darstellt, ob im Privatleben oder Beruf. So liegt der Fokus auf dem Nutzen – das fördert neue Einsichten.


5. Positive Bestätigung

Versuchen Sie am Ende des Gesprächs zur Zusammenarbeit anzuregen. Streichen Sie dafür Positives hervor, etwa: „Du bist wichtig für die Gruppe, weil du andere begeistern kannst – und du lernst schnell. Ich würde dich ungern verlieren.“

 


Auszug aus dem Magazin des Österreichischen Integrationsfonds "Zusammen: Österreich", Ausgabe #02 Sommer 2017

 

Weitere Informationen:  Autorenporträt von Ellen Zitzmann

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